Das Magdeburger Recht

Vom Mittelalter bis Heute

Unter dem Begriff Magdeburger Recht ist zunächst das mündlich überlieferte Recht der Stadt Magdeburg zu verstehen, das sich aus den Rechtsgewohnheiten der Kaufleute, den von Landes- und Stadtherren verliehenen Privilegien und den von seinen Bürgern eigenständig beschlossenen Regelungen zusammensetzte. Das Magdeburger Recht war kein konkretes, zusammenhängendes Gesetzeswerk, sondern  vielmehr eine im Einzelfall sehr variable und anpassungsfähige Sammlung von Normen und Rechtsvorstellungen, die den Bürgern der Stadt ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung im Sinne einer kommunalen Selbstverwaltung ermöglichte.

Ausgehend von Magdeburg erreichte das Magdeburger Recht aufgrund seines innovativen Charakters eine große zeitliche und räumliche Ausbreitung. So nahm es auf die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtsordnungen Mittel- und Osteuropas entscheidenden Einfluss. In nahezu 1000 Orten im heutigen Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Weißrussland, Lettland, Litauen, der Ukraine und Russland galt im Laufe der Jahrhunderte auf verschiedene Art und Weise das Magdeburger Recht. Die Verbreitung des Magdeburger Stadtrechtes in den Osten Europas stand im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Landesausbau und der Siedlungsentwicklung. Gleichzeitig verlief sie Hand in Hand mit der Übernahme des Sachsenspiegels.

Diese Rezeptionsvorgänge, die sich vom 13. bis zum 18. Jahrhundert vollzogen, stellen eine wertvolle kulturgeschichtliche Grundlage des modernen Europas dar. In einigen Regionen war das Magdeburger Recht noch bis ins 19. Jahrhundert hinein Teil der Rechtsordnung und auch heutzutage ist es ein Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses in den einst bewidmeten Städten.
Weiterführende Einzelheiten finden Sie auf den folgenden Seiten. Im Glossar, das in den nächsten Monaten stetig erweitert wird, können Sie sich über die Ursprünge, die Entwicklung, die Regelungen und die historische Bedeutung des Magdeburger Rechtes informieren. Auf der Karte erhalten Sie eine Übersicht über die Städte des Magdeburger Rechtes und erfahren die räumliche Dimension des Magdeburger Rechtes.

 

Literatur:

Friedrich Ebel: Magdeburger Recht, in: Erzbischof Wichmann (1152−1192) und Magdeburg im Hohen Mittelalter. Ausstellung zum 800. Todestag Erzbischof Wichmanns vom 29. Oktober 1992 bis 21. März 1993. Hg. von Matthias Puhle. Magdeburg 1992, S. 42 ff.

Friedrich Ebel: Magdeburger Recht, in: Magdeburg. Die Geschichte der Stadt 805−2005. Hg. von Matthias Puhle, Peter Petsch. Dössel 2005, S. 137 ff.

Heiner Lück: Sachsenspiegel und Magdeburger Recht. Europäische Dimensionen zweier mitteldeutscher Rechtsquellen (Adiuvat in itinere V). Hamburg 1998.