{"id":14,"date":"2015-07-14T02:05:37","date_gmt":"2015-07-14T00:05:37","guid":{"rendered":"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/?page_id=14"},"modified":"2020-06-10T15:22:44","modified_gmt":"2020-06-10T13:22:44","slug":"entwicklung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/magdeburger-recht\/entwicklung\/","title":{"rendered":"Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p>Der Ursprung des Magdeburger Rechts als \u00fcberregional g\u00fcltigem kommunalem Normensystem liegt im <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/stadtrecht\/\">Stadtrecht <\/a>der Handelsmetropole an der mittleren Elbe selbst. Seine Bestimmungen zum Verh\u00e4ltnis der st\u00e4dtisch-b\u00fcrgerlichen und landesherrlichen bzw. stadtherrlichen Einflusssph\u00e4ren wirkten vorbildhaft f\u00fcr die Entfaltung von Handwerk und Handel.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Entwicklung Magdeburgs und damit auch seiner rechtlichen Konstitution war die F\u00f6rderung der Stadtentwicklung durch die ottonischen Herrscher und hier insbesondere durch Otto den Gro\u00dfen (reg. 936\u2212973) und seinen Sohn Otto II. (reg. 973\u2212983). Mitte des 10. Jahrhunderts schufen zahlreiche Handels-, Zoll- und Reiseprivilegien die Voraussetzungen f\u00fcr die Entstehung einer st\u00e4dtischen Kaufmannschaft. Deren Recht, das <em>ius mercatorum<\/em>, wurde wiederum Grundlage f\u00fcr das sp\u00e4tere <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/stadtrecht\/\">Stadtrecht<\/a>, das in seinem Kern stets Kaufmannsrecht blieb. Sp\u00e4testens um die Mitte des 12. Jahrhunderts muss ein <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/stadtrecht\/\">Stadtrecht <\/a>in Magdeburg existiert haben, das jetzt bereits auf andere St\u00e4dte wie Stendal, Leipzig und J\u00fcterbog \u00fcbertragen wurde.<\/p>\n<p>Das Zeugnis daf\u00fcr liefert die \u00e4lteste erhaltene Schriftquelle zum Magdeburger Recht aus dem Jahr 1188. In diesem Privileg verf\u00fcgte der Stadtherr, Erzbischof Wichmann, \u00fcber formale Erleichterungen im st\u00e4dtischen Gerichtsverfahren, die insbesondere Ausw\u00e4rtige und fremde Kaufleute betrafen. Da in diesem Privileg \u00c4nderungen beziehungsweise Erweiterungen des bereits bestehenden st\u00e4dtischen Rechtslebens vorgenommen worden, muss bereits vor diesem Zeitpunkt ein Recht existiert haben, dass sich deutlich von dem im Umland g\u00fcltigen Sachsenrecht abhob. Somit markiert das Privileg zwar nicht die Geburtsstunde des Magdeburger Rechts, aber einen bedeutenden Punkt in seiner fortlaufenden dynamischen Entwicklung.<\/p>\n<p>Ein zentrales Element der Stadtverfassung Magdeburgs war der sogenannte <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\">Sch\u00f6ffenstuhl<\/a>, ein Kollegium aus Urteilern, denen die Rechtsprechung oblag. Er hatte gro\u00dfen Anteil an der Ausgestaltung des Magdeburger <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/stadtrecht\/\">Stadtrechts<\/a>. Sp\u00e4testens 1244 gab es au\u00dferdem einen Stadtrat, der f\u00fcr die Stadtverwaltung verantwortlich war. Um die Jahrhundertwende vom 13. zum 14. Jahrhundert konnte der Rat die Aufgaben der st\u00e4dtischen Rechtsprechung, Rechtssetzung und der Stadtverwaltung endg\u00fcltig f\u00fcr sich vereinnahmen und die <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\">Sch\u00f6ffen<\/a> auf ihre rechtsprecherische Funktion im <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\">Sch\u00f6ffenstuhl <\/a>beschr\u00e4nken \u2013 eine Entwicklung, die auch in zahlreichen Tochterst\u00e4dten nachzuverfolgen ist. Es kam also zu einer Differenzierung vom <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\">Sch\u00f6ffenstuhl<\/a> und dem Gericht f\u00fcr die Magdeburger B\u00fcrger. Der <a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\">Sch\u00f6ffenstuhl <\/a>wurde demnach mehr und mehr aus seiner zentralen Rolle in der Stadt verdr\u00e4ngt und war nun f\u00fcr andere St\u00e4dte rechtsberatend t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Generell ist festzuhalten, dass sich das Magdeburger Recht st\u00e4ndig weiterentwickelte und den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort anpasste. Zwar b\u00fc\u00dfte der<a href=\"http:\/\/magdeburg-law.com\/de\/magdeburger-recht\/glossar\/schoeffen-und-schoeffenstuhl\/\"> Sch\u00f6ffenstuhl <\/a>im Zuge des fortschreitenden Ausbaus der Landesherrschaften und der langsamen Entstehung von Nationalstaaten seine bedeutende Rolle ein, doch behielt das Magdeburger Recht als solches in vielen Gebieten Osteuropas noch bis ins 19. Jahrhundert hinein seine Geltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\"><em>Literatur:<\/em><\/span><\/p>\n<p><em>Heiner L\u00fcck: Einf\u00fchrung: Das s\u00e4chsisch-magdeburgische Recht als kulturelles Bindeglied zwischen den Rechtsordnungen Ost- und Mitteleuropas, in: Rechts- und Sprachtransfer in Mittel- und Osteuropa. Sachsenspiegel und Magdeburger Recht. Internationale und interdisziplin\u00e4re Konferenz in Leipzig vom 31. Oktober bis 2. November 2003 (= Ivs saxonico-maidebvrgense in oriente 1), hg. v. Ernst Eichler u. Heiner L\u00fcck, Berlin 2008, S. 1 ff.<\/em><\/p>\n<p><em>Heiner L\u00fcck: Sachsenspiegel und Magdeburger Recht. Europ\u00e4ische Dimensionen zweier mitteldeutscher Rechtsquellen (= Adiuvat in itinere V), Hamburg 1998.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Ursprung des Magdeburger Rechts als \u00fcberregional g\u00fcltigem kommunalem Normensystem liegt im Stadtrecht der Handelsmetropole an der mittleren Elbe selbst. 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